Ein Umhang aus der Verkleidungskiste, eine selbst gebastelte Fledermaus und jemand, der hinter der Tür ein ziemlich überzeugendes „Buh!“ ausprobiert: Für eine Gruselparty braucht es manchmal erstaunlich wenig. Die Fantasie erledigt den Rest. Und dann fehlt eigentlich nur noch Musik, die zum Anlass passt.
Hier kommt „Draki Drakula“ von Höfele’s Firlefanz ins Spiel. Der Titel erscheint bei PHAZZKIDZZ – a division of Phazz-a-delic New Format Recordings und bietet sich schon mit seinem Namen für eine Entdeckungsreise durch die verspielte Seite des Gruselns an. Wer eine Halloween-Playlist zusammenstellt oder nach Musik für ein Fest mit Vampiren, Gespenstern und anderen verkleideten Gästen sucht, hat damit einen naheliegenden Kandidaten.
Hinter Firlefanz steckt zugleich eine lange Geschichte der Kindermusik. Hartmut E. Höfele hat über Jahrzehnte Lieder, Hörspiele und Bühnenprogramme für ein junges Publikum entwickelt. „Draki Drakula“ ist deshalb auch eine Gelegenheit, diesen musikalischen Hintergrund kennenzulernen – und einen Künstler zu entdecken, für den Geschichten, Musik und die Beteiligung des Publikums eng zusammengehören.
Draki Drakula: Ein Name, der die Fantasie anschiebt
Schon beim Aussprechen hat „Draki Drakula“ etwas Spielerisches. Der verkürzte Vorname und das bekannte Vampirmotiv ergeben eine Figur, zu der einem schnell etwas einfällt. Vielleicht ein viel zu großer Umhang. Vielleicht eine besonders feierliche Verbeugung. Vielleicht jemand, der unbedingt unheimlich wirken möchte und dabei über die eigenen Schuhe stolpert.
Das sind Bilder, die der Titel anregen kann, keine Nacherzählung des Liedtextes. Genau darin liegt aber ein reizvoller Ausgangspunkt: Noch bevor man eine Figur genauer kennt, möchte man ihr eine Stimme, eine Bewegung oder ein Aussehen geben.
Für ein Familienfest lässt sich diese Offenheit gut nutzen. Alle dürfen einen eigenen Draki erfinden. Einer schleicht auf Zehenspitzen, ein anderer marschiert mit ausgestreckten Armen durch den Raum, und die nächste Version trägt vielleicht lieber eine glitzernde Fliege als einen schwarzen Umhang.
So wird ein Songtitel zum Anlass für ein kleines gemeinsames Spiel. Die passende Kulisse entsteht aus dem, was ohnehin vorhanden ist: ein bisschen Platz, ein paar Verkleidungen und Lust auf Quatsch.
Was den musikalischen Verlauf auszeichnet
Die Aufnahme von „Draki Drakula“ hält ihre Energie über längere Strecken vergleichsweise gleichmäßig. Der erste größere Abschnitt bleibt auf einem ähnlichen Niveau, während sich die Verteilung der Klangenergie verändert. Das ergibt einen kontinuierlichen Verlauf mit wechselnder klanglicher Gewichtung.
Im mittleren Teil nimmt die Intensität erkennbar ab. Später erreicht die Aufnahme wieder ungefähr das Niveau des Anfangs und hält dieses über den folgenden Abschnitt. Gegen Ende geht die Energie nochmals zurück.
Diese größere Bewegung lässt sich als Ausgangspunkt für aufmerksames Hören nehmen: Wann tritt die Musik etwas zurück? Wann gewinnt sie wieder an Kraft? Und wie verändert sich dadurch die eigene Lust, sich zu bewegen oder genauer hinzuhören?
Aus solchen Messwerten lässt sich keine Besetzung ableiten. Sie zeigen aber, dass die Aufnahme innerhalb ihres insgesamt recht beständigen Verlaufs einen deutlichen Wechsel zwischen kräftigeren und zurückgenommenen Passagen besitzt. Für die Einordnung des Stücks ist das aussagekräftiger als eine pauschale Behauptung, es sei einfach durchgehend laut oder wild.
Wer hinter Höfele’s Firlefanz steckt
Hartmut E. Höfele arbeitet als Musikproduzent, Liedermacher und Kinderbuchautor. Er gründete das KinderMusikTheater Firlefanz und entwickelte Musik, Hörspiele und Bücher für unterschiedliche Altersgruppen. Zu seinem beruflichen Hintergrund gehören außerdem Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie die Moderation von Kindersendungen beim Hessischen Rundfunk. Diese Stationen beschreibt er auf seiner eigenen Künstlerseite.
Bei den Firlefanz-Auftritten spielt der Kontakt zum Publikum eine wichtige Rolle. Höfele beschreibt dort ausdrücklich Bewegungsspiele, Mitmachaktionen und den Dialog mit den Zuhörenden. Musik steht in diesem Zusammenhang mitten in einer gemeinsamen Situation: Jemand spielt, jemand reagiert, und daraus entsteht der nächste Moment.
Das ist ein hilfreicher Hintergrund für alle, die Firlefanz bisher noch nicht kennen. Der Name gehört zu einer Arbeit, die Bühne, Erzählen und musikalische Begegnung miteinander verbindet.
Wer selbst schon einmal bei einem Kinderkonzert war, kennt die besondere Dynamik solcher Veranstaltungen. Eine kleine Geste kann reichen, damit ein ganzer Raum mitmacht. Gleichzeitig entstehen die schönsten Momente oft dort, wo etwas Ungeplantes passiert und alle gemeinsam darüber lachen.
Eine Geschichte, die weit vor dem Streaming beginnt
Die Veröffentlichungen von Firlefanz reichen in die Zeit der Musikkassetten und Schallplatten zurück. Auf der offiziellen Presseseite werden eine erste Kinderkassette von 1980, die 1982 bei Trikont veröffentlichte LP „Menschenskinder“ und „Pop’n Roll für Menschenskinder“ von 1985 genannt. Die Firlefanz-Presseinformationen geben einen Einblick in diese Entwicklung.
Das ist eine schöne Erinnerung daran, wie unterschiedlich Kinder Musik kennenlernen können. Früher wurde eine Kassette zurückgespult, heute wird ein Titel in einer Playlist wieder gestartet. Der Wunsch dahinter ist oft derselbe: Dieses eine Lied soll bitte noch einmal laufen.
Für Eltern kann eine solche Veröffentlichung deshalb auch eine kleine Entdeckungsreise in die Geschichte der deutschsprachigen Kindermusik sein. Für Kinder zählt zunächst die unmittelbare Begegnung mit dem Stück. Beides darf nebeneinander stattfinden.
Die lange Veröffentlichungsgeschichte macht dabei neugierig auf das weitere Repertoire. Wer über „Draki Drakula“ auf Firlefanz stößt, findet einen Einstieg in ein musikalisches Umfeld, das über einen einzelnen Anlass hinausreicht.
PHAZZKIDZZ und die Verbindung zu Firlefanz
„Draki Drakula“ erscheint bei PHAZZKIDZZ, einer Division von Phazz-a-delic New Format Recordings. Zwischen diesem Labelumfeld und Höfeles Arbeit gibt es bereits einen dokumentierten Berührungspunkt: 2022 erschien „Kinder dieser Welt“ unter dem Projektnamen PHAZZKIDZZ Band featuring Lisa & Bernd.
Laut den offiziellen Release-Informationen stammte das Lied aus Höfeles früheren Firlefanz-Produktionen und wurde mit seiner Genehmigung erneut herausgebracht. Die Credits nennen Hartmut E. Höfele als Produzenten sowie Lisa Koch und Bernd Windisch als Gesangsbeteiligte. Die Veröffentlichung ist auf der Bandcamp-Seite von Phazz-a-delic dokumentiert.
Diese Verbindung hilft, „Draki Drakula“ bei PHAZZKIDZZ einzuordnen. Es gibt bereits eine gemeinsame Geschichte mit Material aus dem Firlefanz-Kosmos.
Welche Personen an dem hier vorliegenden Titel beteiligt sind, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Interessant ist vielmehr der größere Zusammenhang: Musik aus Höfeles umfangreicher Arbeit begegnet über das Label einem Publikum, das sie vielleicht zum ersten Mal entdeckt.
Eine Idee für die Halloween-Playlist
Für eine Halloween-Feier lässt sich „Draki Drakula“ zunächst über sein Thema auswählen. Der Name passt zu einer Runde verkleideter Gäste und bietet einen guten Anlass, die Musik mit einer eigenen kleinen Aktion zu verbinden.
Zum Beispiel könnte jeder vor dem Abspielen eine Bewegung für seine Gruselfigur erfinden. Während des Stücks werden diese Bewegungen nacheinander vorgestellt. Wer möchte, übernimmt sie; wer lieber zuschaut, bleibt Publikum. Dafür braucht es weder eine einstudierte Choreografie noch eine Geschichte mit festgelegten Rollen.
Eine andere Idee ist eine kleine Verkleidungsparade. Die Gäste ziehen einzeln durch den Raum, präsentieren ihren Umhang oder ihre selbst gebastelten Flügel und machen Platz für die nächste Figur. Der musikalische Verlauf mit seinen ruhigeren und kräftigeren Abschnitten kann dabei ganz unterschiedliche Auftritte begleiten.
Solche Vorschläge sind mögliche Spiele rund um das Lied, keine offiziellen Anweisungen aus der Aufnahme. Gerade das macht sie praktisch: Man kann sie an die eigene Runde anpassen und jederzeit wieder verändern.
Gruselfiguren dürfen auch außerhalb des Oktobers vorbeischauen
Der Titel legt eine Halloween-Verbindung nahe, doch die Fantasie hält sich selten an den Kalender. Ein Vampir kann ebenso gut auf einer Geburtstagsfeier auftauchen, beim Verkleiden an einem Regentag oder in einem selbst erfundenen kleinen Theaterstück.
Vielleicht wird aus Draki ein Gast, der an der falschen Haustür klingelt. Vielleicht sucht er seine verschwundene Einladung. Vielleicht braucht die Geschichte überhaupt keine Erklärung, weil alle lieber direkt losspielen möchten.
Musik kann solchen Einfällen einen gemeinsamen Rahmen geben. Sie markiert den Beginn einer Szene, begleitet einen Auftritt oder beendet die Runde. Welchen Platz „Draki Drakula“ dabei bekommt, entscheiden die Menschen im Raum.
Das passt zu der Mitmachtradition, die Firlefanz in seiner Bühnenarbeit beschreibt. Aus Zuhörenden können Beteiligte werden, und aus einer vorbereiteten Idee entsteht etwas Eigenes.
Draki darf bleiben
„Draki Drakula“ von Höfele’s Firlefanz bei PHAZZKIDZZ verbindet einen einprägsamen Titel mit dem Hintergrund eines erfahrenen Kindermusikprojekts. Die Aufnahme besitzt einen beständigen Energieverlauf mit einem zurückgenommenen Mittelteil und einer späteren Rückkehr zu mehr Intensität. Rundherum gibt es reichlich Anknüpfungspunkte für Fantasie, Verkleidungen und gemeinsames Spielen.
Wer Musik für Halloween sucht, kann hier anfangen. Wer dabei Firlefanz neu entdeckt, hat gleich einen Grund, weiterzustöbern.
Und falls nach dem ersten Durchlauf jemand im Umhang vor der Anlage stehen bleibt und „Noch mal!“ ruft, ist die nächste Programmentscheidung ohnehin schon gefallen.
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