Es gibt Plattentitel, bei denen man sofort ein Bild vor Augen hat. Bei „Gute Laune mit Posaune“ gehören für mich ein großer Bühnenvorhang, ein gut besetzter Bläsersatz und mindestens eine Sonnenblume dazu. Dass ausgerechnet Dieter Thomas Kuhn hinter diesem Titel steckt, macht die Sache ziemlich rund. Gemeinsam mit der SWR Big Band nimmt er sich Lieder vor, die viele Menschen seit Jahren begleiten – und gibt ihnen einen neuen orchestralen Rahmen.
„Gute Laune mit Posaune“ ist ab heute, dem 9. Oktober 2026, bei Phazz-a-delic New Format Recordings erhältlich: digital, auf CD und auf Vinyl. Das Album versammelt 14 Titel, darunter „Quando, quando, quando“, „Ich war noch niemals in New York“, „Ich liebe das Leben“ und „Über den Wolken“.
Das Interessante daran ist für mich die Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Bühnenerfahrungen: Auf der einen Seite steht Kuhns unmittelbarer Draht zum Publikum. Auf der anderen ein Orchester, dessen Geschichte tief in Jazz, Rundfunk und großer Unterhaltungsmusik verwurzelt ist. Jetzt lässt sich diese Zusammenarbeit auch zu Hause entdecken – im Stream, mit der CD im Player oder einer Schallplatte auf dem Teller.
Dieter Thomas Kuhn und die Kunst, gemeinsam zu feiern
Dieter Thomas Kuhn hat aus dem Wiederentdecken bekannter Schlager eine eigene Konzertkultur gemacht. Sonnenblumen, auffällige Anzüge und Föhnwelle gehören zu ihrem sichtbaren Teil. Dahinter steht eine Verbindung zum Publikum, die über Jahrzehnte gewachsen ist.
Die Anfänge lagen in einem zunächst ironisch gedachten Schlagerprojekt unter Tübinger Freunden. Daraus entwickelte sich eine Bandgeschichte, die inzwischen auch der Dokumentarfilm „Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band“ erzählt. Er begleitet die Open-Air-Tour 2024 und stellt Thomas Kuhn und seinen langjährigen Weggefährten Philipp Feldtkeller in den Mittelpunkt. Informationen auf der offiziellen Künstlerwebsite.
Ich finde an diesem Werdegang besonders schön, dass aus einer spielerischen Idee etwas Verbindliches entstehen konnte. Irgendwann hängen an solchen Liedern die eigenen Erinnerungen: ein gemeinsamer Konzertbesuch, eine Freundschaft, ein Sommer. Dann bekommt auch ein Schlager, den man ursprünglich mit einem Augenzwinkern gehört hat, einen ziemlich persönlichen Platz im Leben.
Genau dort setzt die Neugier auf dieses Album an. Was passiert mit vertrauten Liedern, wenn sich ihre musikalische Umgebung verändert? Welche Erinnerungen bleiben, und welche neuen kommen hinzu?
Die SWR Big Band bringt ihre eigene Geschichte mit
Die SWR Big Band feiert 2026 ihr 75-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie 1951 von Erwin Lehn als Südfunk-Tanzorchester. Aus dem Rundfunk- und Unterhaltungsorchester entwickelte sich ein Ensemble mit ausgeprägter Jazztradition, das mit Musikern wie Miles Davis, Chet Baker und Sammy Nestico zusammenarbeitete. Den heutigen Namen trägt die Band seit 1998. Der SWR über die Geschichte seines Ensembles.
Der historische Name Südfunk-Tanzorchester taucht auch in den digitalen Künstlerangaben zu „Gute Laune mit Posaune“ auf. Er erinnert daran, wie eng populäre Lieder und große Orchester einmal miteinander verbunden waren.
Für mich macht gerade diese Herkunft die Zusammenarbeit plausibel. Schlager, Tanzmusik und Jazz haben sich über Jahrzehnte dieselben Bühnen, Studios und Fernsehprogramme geteilt. Mit Kuhn und der SWR Big Band begegnen sich also auch zwei Seiten einer gemeinsamen Unterhaltungsgeschichte.
Eine frühere Verbindung ist ebenfalls dokumentiert: Bereits bei „Außer Betrieb“ von 2021 gehörte Kuhn neben weiteren Sängern zu den Mitwirkenden einer Veröffentlichung der SWR Big Band. Die Aufnahme im SWR-Music-Katalog.
Rainer Tempel und Philipp Feldtkeller gestalten den neuen Rahmen
Für die orchestralen Arrangements zeichnet Rainer Tempel verantwortlich. Die musikalische Leitung und Konzeption liegen bei Philipp Feldtkeller. Der SWR beschreibt das Projekt als Neuinterpretation von Kuhns Repertoire mit großen Bläsersätzen und klassischem Big-Band-Klang.
Diese Aufgabenverteilung ist ein wichtiger Teil der Albumidee. Feldtkeller bringt die langjährige Verbindung zu Kuhn und dessen Repertoire ein; Tempel übersetzt die Stücke in die Möglichkeiten des großen Ensembles.
Mich interessiert bei solchen Projekten besonders das Verhältnis zwischen Wiedererkennen und Entdecken. Die Melodie darf vertraut bleiben. Gleichzeitig kann ein Arrangement andere Akzente setzen, Übergänge anders gewichten und einer Gesangslinie neue musikalische Antworten gegenüberstellen.
Darin liegt der Reiz dieser Besetzung: Die bekannten Lieder bieten Orientierung, während das Orchester zusätzliche Perspektiven eröffnet.
Der Auftakt: Musik ist Trumpf
Schon die ersten drei Positionen der Trackliste formulieren eine klare Einladung. „Musik ist Trumpf“ eröffnet das Album, danach folgen „Komm und bedien’ dich bei mir“ und „Quando, quando, quando“.
„Musik ist Trumpf“ ist an dieser Stelle ein treffendes Motto. Der Titel stellt die gemeinsame Freude an Musik nach vorne. „Komm und bedien’ dich bei mir“ setzt anschließend eine persönliche, zugewandte Geste daneben. Als Abfolge gelesen hat das etwas von einer Begrüßung: Die Türen stehen offen, die Gäste können kommen.
Ich mag solche Einstiege, weil sie einem Album früh eine Haltung geben. Hier steht ein Repertoire bereit, das auf Begegnung angelegt ist. Man darf die Lieder kennen, sich an ihnen freuen und neugierig darauf sein, wie diese Besetzung mit ihnen umgeht. Ebenso gut kann man einzelne Stücke zum ersten Mal entdecken.
Quando, quando, quando: Ein Klassiker mit weitem Horizont
Mit „Quando, quando, quando“ steht an dritter Stelle ein Lied, dessen Geschichte weit über den deutschen Schlager hinausreicht. Tony Renis schrieb die Musik, Alberto Testa den ursprünglichen Text. 1962 wurde das Stück beim Festival von Sanremo vorgestellt und entwickelte sich anschließend zu einem international erfolgreichen italienischen Klassiker. Zu den späteren Interpreten gehört auch Michael Bublé. RSI über die Geschichte von „Quando, quando, quando“.
Das macht den Titel zu einem reizvollen Einstieg in das Album. Er verbindet eine international vertraute Melodie mit Kuhns eigener Welt der Schlagerinterpretation. Die Albumfassung dauert rund zwei Minuten und 35 Sekunden.
Für mich liegt die Stärke dieser Songwahl in ihrer Offenheit. Manche verbinden damit italienische Unterhaltungsmusik, andere einen bestimmten Sänger oder eine frühere Coverversion. Ein solches Lied bringt seine Geschichte mit und bleibt trotzdem verfügbar für eine neue Begegnung.
Auf „Gute Laune mit Posaune“ bekommt diese Begegnung den Rahmen einer Big Band – und damit einen schlüssigen Platz zwischen populärem Song, Orchestertradition und Entertainer.
Fernweh, Wechselstimmung und ein Merci
Mit „Ich war noch niemals in New York“, „Heute so, morgen so“ und „Merci Cherie“ führt die Trackliste weiter durch unterschiedliche Gefühlslagen.
Allein „Ich war noch niemals in New York“ öffnet einen großen gedanklichen Raum. Das Lied ist für viele längst mit der Vorstellung verbunden, noch einmal aufzubrechen und dem vertrauten Alltag etwas entgegenzusetzen. „Heute so, morgen so“ setzt daneben schon im Titel die Veränderlichkeit von Entscheidungen und Stimmungen.
„Merci Cherie“ wiederum bringt eine andere emotionale Farbe ins Programm. Die Auswahl lässt erkennen, dass dieses Album auch Platz für Abschied und Nachdenklichkeit hat.
Udo Jürgens ist mit insgesamt fünf Kompositionen vertreten. Damit erhält sein Werk innerhalb der Zusammenstellung besonderes Gewicht. Weitere Informationen zum Repertoire bei Eventim.
Ich finde diese Mischung wichtig. Ein Album mit einem so heiteren Namen darf Gefühle durchaus in mehreren Schattierungen zeigen. Gerade dadurch bekommen seine lebensfrohen Momente einen stärkeren Zusammenhang.
Lebensfreude braucht auch die leisen Gedanken
In der Mitte stehen „Ich liebe das Leben“, „Bind ein blaues Band um uns’ren Birkenbaum“, „Desperado“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“.
Bereits die beiden ausdrücklich lebensbejahenden Titel markieren starke Bezugspunkte. Sie lassen sich als Aussagen lesen, die man gerne mit anderen teilt. Dazwischen bringt „Desperado“ eine andere Tradition ins Spiel: Der Eagles-Song wurde auch durch Udo Lindenbergs deutsche Interpretation bekannt. Die Albumvorstellung von Schlagerprofis ordnet diese Verbindung ein.
Gerade diese Nachbarschaft macht die Auswahl interessant. Wer nur auf den Albumtitel schaut, könnte ein durchgehend ausgelassenes Programm erwarten. Die Zusammenstellung umfasst jedoch Zuspruch, Erinnerung, Sehnsucht und die Bereitschaft, noch einmal neu anzufangen.
Für mich sind das die Themen, wegen derer Menschen zu bestimmten Liedern zurückkehren. Sie passen zu unterschiedlichen Momenten im eigenen Leben. Manchmal möchte man sie mit vielen anderen singen, manchmal einfach für sich hören.
Der Schluss führt über die Wolken
Die letzten vier Stücke heißen „Ich weiß, was ich will“, „Vielen Dank für die Blumen“, „Liebe ohne Leiden“ und „Über den Wolken“.
Als Folge von Titeln gelesen ergibt das einen schönen Bogen: Selbstbestimmung, Dankbarkeit, der Wunsch nach einer behüteten Liebe und schließlich ein Bild von Freiheit. Das ist meine Lesart der Zusammenstellung, aber sie zeigt, wie viel sich bereits in dieser Auswahl entdecken lässt.
„Über den Wolken“ ist zugleich eng mit Kuhns eigener Veröffentlichungsgeschichte verbunden. Wie „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ gehörte das Lied bereits zu „Lieder meines Lebens“ von 1994. Mehr als drei Jahrzehnte später kehren beide in neuer Besetzung zurück.
Das gibt dem Schluss eine besondere Bedeutung. Ein Lied kann dasselbe bleiben, während die Menschen, die es spielen und hören, längst andere Erfahrungen mitbringen. Genau diese Zeitspanne macht eine Neuinterpretation spannend.
Jetzt digital, auf CD und auf Vinyl
„Gute Laune mit Posaune“ ist als Stream und Download sowie auf CD und Vinyl erhältlich. Damit lässt sich das Album so entdecken, wie es zum eigenen Musikhören passt.
Wer zunächst neugierig auf die Zusammenarbeit ist, kann digital direkt mit einem vertrauten Titel einsteigen. Wer Alben gerne als zusammenhängendes Programm hört, findet auf CD und Schallplatte die passende Gelegenheit, sich bewusst Zeit für die Veröffentlichung zu nehmen.
Ich mag an einer physischen Ausgabe dieses kleine Ritual: eine Platte auswählen, sie aus der Hülle nehmen, auflegen und erst einmal bei ihr bleiben. Auch eine CD hat ihren festen Platz im Regal und erinnert daran, dass man sich für genau dieses Album entschieden hat.
Bei einer Zusammenstellung, die so stark von vertrauten Liedern und persönlichen Erinnerungen lebt, ist das ein schöner Gedanke. „Gute Laune mit Posaune“ kann unterwegs begleiten und ebenso Teil der eigenen Plattensammlung werden.
Warum Phazz-a-delic zu diesem Projekt passt
Veröffentlicht wird das Album bei Phazz-a-delic New Format Recordings. Das Label wurde 2001 von Haluk Soyoglu und Pit Baumgartner gegründet. Sein Selbstverständnis umfasst ausdrücklich Projekte, die etablierte Formate überschreiten; der Name bezieht sich auf diese künstlerische Offenheit. Die Geschichte von Phazz-a-delic.
Ein Schlagerinterpret, der sein Repertoire mit einem großen Jazzensemble neu aufgreift, passt gut zu diesem Gedanken. Für mich ist daran besonders reizvoll, dass die Beteiligten ihre unterschiedlichen Erfahrungen mitbringen dürfen.
Kuhn liefert die Verbindung zu den Liedern und seinem Publikum. Die Big Band bringt eine eigene musikalische Sprache ein. Das Albumkonzept schafft den Raum, in dem beides zusammenkommen kann.
Ein Wiedersehen mit neuen Möglichkeiten
„Gute Laune mit Posaune“ erscheint in einer besonderen Phase der Geschichte von Dieter Thomas Kuhn & Band. Für 2027 sind die letzten drei gemeinsamen Konzerte angekündigt. Entsprechend bekommt ein Album, das vertrautes Repertoire neu betrachtet, einen zusätzlichen zeitlichen Hintergrund. Die Ankündigung auf der offiziellen Website.
Der Blick dieses Projekts liegt auf einer neuen musikalischen Möglichkeit. Es greift Lieder auf, die bereits viele Erinnerungen tragen, und stellt ihnen ein anderes Ensemble zur Seite.
Ich verstehe das Album deshalb als Einladung, noch einmal genauer hinzuhören: auf die Songs, auf ihre Geschichte und auf das, was eine neue Besetzung damit anfangen kann. Die Sonnenblumen dürfen selbstverständlich mit. Die Neugier sollte ebenfalls dabei sein.
„Gute Laune mit Posaune“ von Dieter Thomas Kuhn & SWR Big Band ist jetzt bei Phazz-a-delic New Format Recordings erhältlich – digital, auf CD und auf Vinyl.
Die vollständige Trackliste
- Musik ist Trumpf
- Komm und bedien’ dich bei mir
- Quando, quando, quando
- Ich war noch niemals in New York
- Heute so, morgen so
- Merci Cherie
- Ich liebe das Leben
- Bind ein blaues Band um uns’ren Birkenbaum
- Desperado
- Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben
- Ich weiß, was ich will
- Vielen Dank für die Blumen
- Liebe ohne Leiden
- Über den Wolken

