Seit einigen Tagen scheint der Traum vieler Nachwuchs- und Bedroom-Producer war zu werden: Ihre Tracks gelangen ohne Umwege in die angesagtesten Clubs. Eine Smartphone-App macht dies möglich: Spinfire . DJ Promotion 2.1?

Spinfire ist für Apple iOS sowie Google Android verfügbar und kann im jeweiligen Appstore kostenlos heruntergeladen werden. Das System beruht auf dem Pay to Play Prinzip. Die Funktion vereinfacht dargestellt:

  • Der Produzent lädt den Track per MP3 in die App
  • Der Produzent schickt dem “Wunsch-DJ” eine Anfrage, ob dieser den Track in sein Set aufnimmt
  • Produzent und DJ einigen sich auf einen Preis (je nach DJ und Club liegt dieser zwischen 20 und 500 $)
  • Der DJ spielt den Track während des vereinbarten Gigs im vereinbarten Club
  • Der DJ schickt dem Produzenten innerhalb von 12 Stunden ein einminütiges Video vom Gig als Nachweis
  • das war’s.

 

Eine innovative Idee oder nur Geldmacherei?

Das Prinzip von Spinfire ist nicht neu, aber durch das einfache Handling in App-Form auf seine Weise doch revolutionär. Was die ethische Bewertung der App betrifft, dürften die Meinungen sehr unterschiedlich sein. Nun, aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich die App eigentlich nur als große Chance bewerten. Denn: Nicht jeder Produzent ist ein DJ. Nicht jeder Producer elektronischer Musik findet den Weg automatisch auf die Kanzeln der Club-Welt. Zudem hat der Produzent die Möglichkeit, das Nachweis-Video (an dem er aufgrund des Tonmaterials die Rechte hält) zur Selbstvermarktung zu nutzen.

 

DJ Promotion – wirklich!?

Genau genommen handelt es sich bei dieser App um kein Werkzeug der DJ Promotion sondern sie dient vielmehr als ein mächtiges Tool der Producer Promotion. Produzenten haben mit Spinfire die Möglichkeit, den traditionellen Pfad der Bemusterung zu verlassen und den direkten Weg zu geeigneten DJs zu nehmen. Kein profitorientierter A&R-Manager fällt sein Urteil über ein künstlerisches Werk, sondern ein DJ – sozusagen der Interpret. Sein Ruf steht auf dem Spiel, sollte er mit der Aufsicht auf kurzfristigen Profit einen schlechten Track in sein Set aufnehmen. Es bleibt abzuwarten, ob wie sich die App weiter entwickelt. Sollten die teilnehmenden DJs von amateurhaft produzierten Tracks überflutet werden, wird sich das Angebot innerhalb von Spinfire schnell lichten.

 

Fazit

Respekt! Ein auf den ersten Blick unmoralisches System bietet Chancen für beide Seiten: Der DJ erhält Zugang zu bisher unbekanntem Ton-Material, der Produzent bringt seine Tracks in die Clubs. Es scheint eine Win-Win-Situation zu sein. Bleibt zu hoffen, dass die Macher der App am Ball bleiben, sie das System weiter verfeinern und die App nicht nach anfänglichem Hype ein Schattendasein führt.

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